RÜCKBLICK: 11. VWT-Sommergespräch 2019

Beginn: 08/15/2019
Dauer: 12:00 bis 14:00 Uhr
Veranstaltungsort: Thüringer Aufbaubank
Ort: Erfurt
  

Weg von der Schnäppchenkultur. Wir brauchen ein Umdenken in Thüringen.
Es darf kein Zufall sein, dass Startups und Mittelstand zusammenkommen.

Startup trifft Traditionsfirma. Was kann das bringen? war Thema des 11. VWT-Sommergesprächs in der Thüringer Aufbaubank.

"Der gute Gründer ist nicht per se ein guter Manager", sagte Matthias Wierlacher, Vorstand der Thüringer Aufbaubank gleich zu Beginn der Veranstaltung. Im Vergleich mit anderen Bundesländern belegt die Thüringer Startup-Landschaft hintere Plätze. Schaut man in den Deutschen Startup-Monitor 2018, stelle man fest, dass die Gründerfreude von Startups in Thüringen, Sachsen-Anhalt, dem Saarland und Mecklenburg-Vorpommern am geringsten ausgeprägt sei, machte VWT-Präsident Hartmut Koch deutlich. "Gründerhochburgen hingegen finden wir in Nordrhein-Westfalen mit 19 Prozent, in Berlin mit knapp 16 Prozent, gefolgt von Baden-Württemberg und Bayern. Thüringen steht mit 1,3 Prozent an vorletzter Stelle.

Im Mai 2019 veröffentlichte der Digitalverband bitkom eine Umfrage des Verbandes bei 300 Startups: Vier von fünf arbeiten mit etablierten Unternehmen zusammen. Die Mehrheit bewertet die Zusammenarbeit positiv. Allerdings beklagt jeder Vierte die Arroganz der Etablierten. Am häufigsten werden gemeinsam neue Produkte oder Dienstleistungen entwickelt. Allerdings arbeiten auch 16 Prozent der Startups nicht mit etablierten Firmen zusammen. Gründe dafür liegen oft am mangelnden Interesse der Etablierten. Manche Startups wollen aber auch unabhängig bleiben und suchen die Zusammenarbeit nicht." Startup-Unternehmer Benjamin Bestmann, Geschäftsführer von Strive Data Erfurt sagte: "Ja, es gibt Vorbehalte bei Firmen, aber beim genaueren Hinschauen bringt die Zusammenarbeit viel Innovation ans Licht. Die Startups profitieren von Zugängen zu Märkten". Hans Elstner, Geschäftsführer der rooom AG Jena, berichtete, dass sein Startup mit großen Unternehmen, zusammenarbeite. "Dazu gehören Firmen wie Thomann und die Schott AG. Diese wiederum helfen uns dann bei anderen Projekten.  Dr. Eric Weber, Geschäftsführer von Spinlab Leipzig, unterstützt junge Startups in einem Programm von sechs Monaten bei Pilotprojekten. "Es geht nicht immer nur um Investitionen, sondern auch um Produkteinführungen und Vertriebsunterstützung. Wir arbeiten derzeit auch mit der AOK PLUS zusammen", so Weber.

Im Vergleich zu traditionellen Firmen sei die Arbeitskultur wohl doch etwas anders, meint Benjamin Bestmann. Die Teams sind kleiner, die Wege kürzer. Unser Unternehmen ist regional mit maximal zwei Mitarbeitern pro Standort verteilt. Oft kann von zu Hause gearbeitet werden, da verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit schon mal." Entscheidend sei auch, ergänzt Hans Elstner, dass wir alle an einem Ziel arbeiten, dass schweiße zusammen. "Die Arbeitskultur ist von Gründer zu Gründer verschieden. Es gibt den Autokraten ebenso wie den Coaching-Typ. Fakt ist, dass in Startups freier gearbeitet wird. Da arbeitet man schon mal nachts fünf Stunden und morgens zwei", sagt Eric Weber.

Zu den Unternehmenszielen der Siemens AG gehörte schon vor 20 Jahren, mit Startups zusammenzuarbeiten. Wir haben selbständige Einheiten geschaffen. Mitarbeiter konnten Ideen vorstellen. Es fanden Workshops statt und die besten Ideen wurden prämiert. Heute haben wir einen Campus in Berlin, wo wir Räume zum freien Arbeiten geschaffen haben", sagt, Dr. Gerhard Köthe, Sprecher der Niederlassung Erfurt der Siemens AG. Um dem befürchteten Ideenklau entgegenzuwirken, empfiehlt Elstner, klare Vereinbarungen zu Ziel und Kooperation zwischen den Partnern abzuschließen. "Etablierte Unternehmen haben Geschäftsmodelle mit bestimmten Prozessen, da ist es wichtig, die Ziele der Zusammenarbeit zu vereinbaren. Manche Unternehmen schreiben auch Projekte aus, die sie mit Startups durchführen wollen, da kann man sich dann bewerben, ergänzt Bestmann.

Natürlich, so Weber, gehe es in der Zusammenarbeit auch um Geld. "Leider sehen sich deutsche Unternehmen eher in China oder den USA um. Doch auch in Deutschland könnte man passende Partner finden, denn Investitionen von 200.000 Euro seien für große Unternehmen keine große Investition, dem Startup würde es oft sehr weiterhelfen". Gefragt nach den Wünschen der Startups in Thüringen, sagt Elstner "In Thüringen fehlt es an einer Gründungskultur und an Investoren. Es gibt hier eine "Schnäppchenkultur". Unternehmen versuchen, sich frühzeitig - wenn es noch preiswert ist - Anteile an Startups zu sichern. Oft müssen wir Geschäftsmodelle anpassen. Wir arbeiten sehr diskursiv. Hier brauchen wir ein Umdenken." Auch Benjamin Bestmann, der vorher in Baden-Württemberg arbeitete, sagt: "Obwohl Thüringen viel kleiner ist, brauchen wir hier mehr Vernetzung, mehr Initiativen und gemeinsame Aktionsräume zwischen Startups und dem Mittelstand.

In Thüringen gebe es verschiedene Formate, um Startups und Traditionsfirmen zusammenzubringen. Dazu gehört auch das Thüringer Regionale Innovationsprogramm (TRIP), das sukzessive mit regionalen Partnern ab Herbst von STIFT und ThEx koordiniert und aufgebaut wird. Es darf kein Zufall mehr sei, dass Startups und Investoren zusammenkommen. Aktuell geschieht das bei zwei Drittel der Begegnungen zufällig", sagt Valentina Kerst, Staatssekretärin im Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft.

Dr. Ute Zacharias
Pressesprecherin


Impressionen des Sommergesprächs

 

 

 
Fotos: VWT