Impressionen zum
VWT-Sommergespräch 2017
Rückblick: VWT-Sommergespräch

Digitale Bildung für digitale Wirtschaft? Sind die Schülerinnen und Schüler auf die Anforderungen der (digitalen) Wirtschaft vorbereitet?
  
Beginn: 08/16/2017 11:00:00 Uhr
Dauer: bis 13:00 Uhr
Veranstalter: Verband der Wirtschaft Thüringens e.V.
Veranstaltungsort: Thüringer Aufbaubank
PLZ: 99084
Ort: Erfurt
Straße und Nummer: Gorkistraße 9
  

Rückblick VWT-Sommergespräch

Um die Digitalisierung bei den Schülern müssen wir uns keine Sorgen machen

Bildungsexperten diskutierten zum 9. VWT-Sommergespräch die Fragen "Digitale Bildung für digitale Wirtschaft? Sind die Schülerinnen und Schüler auf die Anforderungen der (digitalen) Wirtschaft vorbereitet?"

"Um die Digitalisierung bei den Schülern müssen wir uns keine Sorgen machen, sie sind 18 Stunden online. Es geht darum die Lehrer fit zu machen. Anders gefragt: Ist die Wirtschaft auf die jungen Leute vorbereitet?", so Vorstandschef der Thüringer Aufbaubank Matthias Wierlacher. VWT-Präsident Hartmut Koch machte deutlich, dass sich die Unternehmen darauf einstellen und auch ständig lernen. Entscheidende Voraussetzung für alle Fragen der Digitalisierung ist der Breitbandausbau. Manche Schulen in Thüringen sind nicht ausreichend an das Netz angeschlossen.

 

"Die Landesregierung hofft auf die angekündigten Gelder der Bundesregierung, die Ministerin Wanka mit der Digitalstrategie angekündigt hat. Für Thüringen wären das 25 Millionen Euro. Aktuell setzt das Land 165 Millionen Euro für den Breitbandausbau ein", sagt Bildungsstaatssekretärin Gabi Ohler. Im jährlichen Bildungsmonitor des IW Köln belegt Thüringen immer wieder vordere Plätze. Aktuell, wieder Platz zwei. "Im bundesweiten Vergleich hat der Freistaat gute Ressourcen. Die Betreuungsquote der drei- bis sechsjährigen beträgt 91 Prozent. Das ist ein großer Vorteil. Allerdings ist die IT-Ausstattung eher durchschnittlich und digitale Medien werden nur unterdurchschnittlich genutzt. Der Breitbandausbau ist ein Riesenthema", beschreibt Dirk Werner vom Institut der Wirtschaft Köln die Situation Thüringens.

 

Im erwähnten Bildungsmonitor ist das Verhältnis der Sachausgaben zu den Personalkosten überdurchschnittlich schlecht. Gemeint ist die technische Ausstattung der Schulen. Regelschulleiter Thomas Umbreit sagt: "Wir benötigen mehr Eigenverantwortung, um über technische Ausstattungen zu entscheiden. Mit Blick auf die überalterte Lehrerschaft und deren Medienaffinität sagt Dr. Andreas Jantowski, Direktor des THILLM: "Am Altersdurchschnitt der Lehrer liegt es nicht, sie sind offen für neue Medien. Problematisch ist, was von den Fortbildungen wirklich in den Schulen ankommt. Da gibt es noch Potenzial."

 

Anders ist es bei den Schülern: In der Betreuung von Gymnasiasten habe sich gezeigt, dass sie sehr schnell Informationen finden, so Dirk Werner. Allerdings fehle es ihnen an der Einschätzung von Mehrwerten. "Wofür brauche ich welche Informationen", so Werner, hier müsse digitale Bildung von Schülern ansetzen. Bei der Nutzung der Geräte sind sie den Lehrern meist weit voraus. "Genau da müssen wir in den Schulen ansetzen, indem wir die Potenziale von Tablets und Handys nutzen und zielgerichtet steuern. Die Dosis macht das Gift", sagt Dr. Jantowski mit Blick auf den umstrittenen Einsatz von Mobilgeräten im Unterricht. Lehrer können auch von ihren Schülern lernen. "Wir brauchen auch ein anderes Lehrerbild. Sie definieren sich zu 80 Prozent über Fachlichkeit, doch sie müssen nicht alles wissen"; so Staatssekretärin Ohler.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum gehörten Lehrermangel in MINT-Fächern, der hohe Stundenausfall sowie fehlende Angebote digitalisierter Schulbücher von Verlagen zu den Themen.

Ute Zacharias